Interview zur Leitung des Kreisjugendblasorchesters Esslingen

Fachzeitschrift Forte (Redakteur Thomas Krytzner)

Das KJO Esslingen erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Jungmusikern. Welchen Ansporn haben die jungen Menschen, im Jugendorchester mitzuspielen?

Meiner Meinung nach sind es hauptsächlich zwei Punkte, die hier zum Tragen kommen.

Zum Einen ist es der musikalische Aspekt. So ist es für viele Heimatvereine nicht möglich, derartige Literatur, wie sie das Kreisjugendblasorchester spielt, zu musizieren. Dies kann mehrere Gründe haben – von der fehlenden Besetzung mangels der Anzahl an Musikerinnen und Musikern, nicht vorhandenen Sonderinstrumenten (Stichwort „Edelholz-Instrumente“), der musikalischen Ausrichtung des Musikvereins bis hin zu den Gewohnheiten des dort gegebenen Publikums. Einem Auswahlorchester fällt es hier sicherlich leichter, seine musikalische Richtung gemäß den Wünschen auszurichten; Traditionen spielen hierbei keine Rolle.

Zum Anderen – und davon bin ich überzeugt – kommt aber auch der gesellschaftliche Aspekt hinzu. Die jungen Musikerinnen und Musiker begegnen sich meist erstmals vereinsübergreifend bei den D-Lehrgängen des Verbands. Hier werden Freundschaften geschlossen, es wird miteinander gelacht und musiziert. Das Kreisjugendblasorchester bietet nun die Plattform, diese Freundschaften auf Grundlage der Musik weiter zu pflegen. Aktuell haben wir sehr viele neue Jungmusikerinnen und –musiker im Orchester. Es ist schön zu sehen, wie sich die Gruppe an jeder einzelnen Probe, aber vor allem im extern stattfindenden Probewochenende weiter festigt.

Wie motivieren Sie die Musiker im Orchester, nebst der Zeit in dorfeigenen Musikvereinen, zusätzlich fürs KJO zu üben?

Sicherlich gehört hier eine eigene, gegebene Motivation der einzelnen Musikerinnen und Musiker zur Voraussetzung. Sonst wäre ein Programm in der Höchststufe mit derartig wenig Proben nicht machbar. Zusätzlich lässt sich diese intrinsische Motivation mit ansprechenden, dem Orchester und der Altersstruktur der einzelnen Musikerinnen und Musikern entsprechenden Werke stärken. Hinzu kommt, dass die Jugendlichen freiwillig zu den Probephasen erscheinen – ein Aspekt dafür, dass es ihnen sicherlich Freude bereitet. Und für Dinge, die man gerne macht, bringt man auch mal mehr Zeit auf.

Welchen Nutzen haben die jungen Musiker im KJO für die musikalische und berufliche Laufbahn?

Grundsätzlich gilt, dass das Musizieren im Orchester Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen hat. So werden Teamfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität aber auch die Selbstdisziplin gefordert, was letztendlich alles zum Erfolg im späteren Berufsleben beiträgt. Im Speziellen bieten Auswahlorchester, wie die Kreisjugendblasorchester sie darstellen, gerade für angehende Musikstudentinnen und –studenten eine Plattform mit den Möglichkeiten, sich im Vorhinein mit der Literatur auseinanderzusetzen, solistisch aufzutreten und sich durch die langjährige Teilnahme bereits vor dem Studium bekannter zu machen.

Macht Ihnen die Arbeit mit den Talenten Spaß?

Mir bereitet die Arbeit mit Jugendlichem im Allgemeinen große Freude! Ich bin hauptberuflich Lehrer an einer allgemeinbildenden Schule für die Fächer Mathematik, Informationstechnologie und Musik und mag meinen Beruf. Erst später studierte ich berufsbegleitend als sogenanntes Kontaktstudium Blasorchesterleitung an der Musikhochschule Stuttgart. Auch an meine erste Jugendkapelle, die ich direkt nach dem ersten Dirigentenlehrgang übernehmen durfte, denke ich gern zurück. Was nun die Arbeit im Kreisjugendblasorchester zu einem Schulensemble oder einer Vereinsjugendkapelle unterscheidet, ist die Tatsache, dass die Jugendlichen erst durch ein bestandenes Vorspiel zur Teilnahme am Orchester berechtigt sind. Dies klingt zuerst abschreckend, bietet aber die Möglichkeit, ein gewisses musikalisches Niveau zu erreichen. Somit hat man hier beides: Jugendlichen Charme gepaart mit hoher musikalischer Qualität.

Wie sieht die Bereitschaft bei den KJO-Mitgliedern, ein Ehrenamt zu übernehmen, aus?

Das Kreisjugendblasorchester organisiert sich selbst. Das heißt, dass der Verband zwar sein Augenmerk auf den Fortbestand und die Qualität des Orchesters legt, jedoch die Jugendlichen im Sinne einer Orchestervorstandschaft selbst die Projekte planen. Die Festlegung der Termine, die Notenverteilung, das Suchen von Dozenten für Registerproben, die Organisation eines Probewochenendes und natürlich das Konzert an sich mit Auf- und Abbau, der Moderation und Getränkeverkauf – all das wird von eigenen Musikerinnen und Musikern organisiert und verwaltet. Wir haben aktuell einen Wechsel in der Vorstandschaft und ich bin erleichtert, sagen zu können, dass es hier keinerlei Probleme gegeben hat. Es stellte sich, als ob es selbstverständlich wäre, sofort wieder jemand bereit, bei der Organisation des Orchesters mitzuwirken. Das ist sicherlich – gerade in der heutigen Zeit, in welcher der Schul- und Hobbystress stetig zunimmt – keine Selbstverständlichkeit!

Wie sehen Sie den Trend der Blasmusik? Gibt es genügend Nachwuchs, der sich engagieren will?

Ich würde mir wünschen, dass dem so wäre. Leider aber sieht die Realität anders aus: die Schule und der gesellschaftliche Druck fordern es, dass immer weniger Kinder sich zum Erlernen eines Instruments durchringen. Während man früher ein oder zwei Hobbys ausübte, gebührt es heute schon aus Anstand, überall dabei zu sein. Und das, obwohl die Freizeit der Kinder ebenfalls immer weniger wird. Es wäre wünschenswert, dass dieser Trend ein Ende hätte. Man kann nicht gleichzeitig im Fußball-, Tennis-, Schützen-, Musik- und Heimatverein aktiv sein, und dann versuchen, alle Dinge vernünftig und mit der notwendigen Sorgfalt machen zu können. Trotz allem ist es doch immer wieder bewundernswert und schön zu sehen, wie viele Jugendliche ein Instrument beherrschen und welches Niveau die Blasmusik in den letzten Jahren – gerade auf Grund professioneller Ausbilder – erfahren hat. Es gilt also zu hoffen, dass auch in Zukunft viele Menschen den Zugang zur Musik finden.

Herzlichen Dank dem DVO-Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Artikels!